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Geburt

Ich habe im Folgenden versucht, die wesentlichen Gedanken von Dr. med. Michel Odent aus London festzuhalten. Er war einer der vielen Referenten auf der Weltkonferenz der Ethnotherapien

vom 8. bis 10 Oktober 2004 in München,

veranstaltet von ETHNOMED e.V. Die Konferenz stand unter dem Motto:

Vergehen Sein & Werden.

Die Geburt wird eingeleitet durch den Ausstoß verschiedener Hormone.

Woher kommen sie? Normalerweise aus dem primitivsten, ältesten Gehirnteil.

Wird der Geburtsprozeß behindert, entsteht Streß, Adrenalin wird vermehrt ausgeschieden.

Eine Gebärende tut oft Dinge, die sie sonst nicht tut. Sie ist geistig oft weg. Immer aber ist ihr Grundbedürfnis, beschützt zu werden. Die Gebärende benötigt auch Schutz vor ihrem Neokortex, er muß zur Ruhe kommen.

Die Stimme ist sehr wichtig, während die rationale Sprache oft ein Hemmnis ist. Licht stimuliert den Neokortex, auch Haltungen.

 

Eine private, ruhige Atmosphäre mit gedämpftem Licht ist sehr wichtig. Die Gebärende soll sich nicht beobachtet und beurteilt fühlen. Situationen, bei denen das Notfallhormon Adrenalin überschießend freigesetzt wird, sind schädlich.

Was geschieht zwischen Geburt und Ausstoß der Plazenta?

Es kommt zum größten Ausstoß von Oxytocin. Wieviel von diesem Hormon ausgestoßen wird, hängt sehr stark von der Umgebung ab, vor allem von einem niedrigen Adrenalinausstoß.

Die Mutter muß Kindkontakt haben, Zeit haben, das Kind zu riechen, ohne jede Ablenkung.

Oxytocin ist das hauptsächliche Liebeshormon. Niemals sonst im Leben wird es in so großen Mengen bereitgestellt, wie zwischen Geburt und Placenta-Ausstoß.

Die Nabelschnur muß getrennt werden. Dabei soll das Kind bei der Mutter sein und nicht von einer fremden Person in den Arm genommen werden. Das verursacht Streß und alles was Streß verursacht, soll vermieden werden.

Das Kind will gleich zur Mutterbrust. Die erste Muttermilch, das Kolostrum, ist wichtig für das Kind. Das Liebeshormon Oxytocin sorgt nicht nur für den Ausstoß der Placenta. Es sorgt auch für die Liebesfähigkeit des Kindes.

Viele Rituale in allen Kulturen stören die Mutter-Kind-Beziehung.

Kulturübergreifend wird meist entscheidend und schädigend in Geburtsvorgang und Mutter-Kind-Kontakt der ersten Minuten eingegriffen. Die Geburt wird erschwert und gleichzeitig wird dadurch die Liebesfähigkeit des jungen Menschenkindes drastisch gestört.

In den westlichen Industrienationen wird ein enorm hoher Anteil der Kinder durch Kaiserschnitt geboren. Dabei werden die äußerst komplizierten natürlichen Abläufe der Hormonausschüttung gestört. Kaiserschnitt sollte daher nur dann vorgenommen werden, wenn es wirklich keinen anderen Ausweg gibt.

Kulturübergreifend gilt auch bei indigenen Kulturen das Kolostrum als giftig.

 

Der Kontakt mit der Mutter sei unmittelbar nach der Geburt für das Kind gefährlich - der Beweis: sie habe sich ja gerade noch, während der Geburt, so “abartig” benommen...sie sei von Dämonen besessen, sie hat den bösen Blick...das Neugeborene muß deshalb vor der Mutter geschützt werden...

Welchen Nutzen haben diese Rituale, wo liegen die Wurzeln dieses merkwürdigen Glaubens?

Es ist naheliegend, die Lösung dieser Fragen in den Überlebensstrategien zu suchen: Die Ausrottung anderer Sippen war ein wichtiger Aspekt für das eigene Überleben. Dafür sind Aggression und die Fähigkeit der Lebenszerstörung erforderlich. Die Fähigkeit von Liebe und Mitleid stören. Es gilt die Agressionsfähigkeit zu fördern.

Menschen haben große Potentiale für die Entwicklung von Haß und Liebe.

Im 21. Jahrhundert müssen wir nach Jahrtausenden neue Überlebensstrategien entwickeln, wenn wir überleben wollen: Liebe zu Mutter Erde, zu anderen Menschen, zu Pflanzen und Tieren.

Wir müssen neue Fragen aufwerfen, den Dialog entwickeln zwischen Mensch und Erde und ihren Geschöpfen. Wir müssen vor allem fragen, wie entwickelt sich Liebesfähigkeit? Wie entscheidend sind dabei Geburt und die Minuten danach?

Kontrolle und Störung der Geburt haben in Jahrtausenden immer dazu geführt, daß der Neokortex der Gebärenden nicht zur Ruhe kommt und an Stelle des Liebeshormons Oxytocin das störende Adrenalin ausgeschüttet wird.

Bei allen Säugetieren besteht das Bedürfnis nach Ruhe und Geborgenheit, nach Sicherheit während der Geburt.

Tiere “verschieben” die Geburt, wenn ein Raubtier in ihrer Nähe ist.

Wird der Mutter-Kind-Kontakt unmittelbar nach der Geburt gestört, verstößt die Tiermutter sehr oft ihr Junges*).

*)In meiner Erzählung über die Schafgarbe kommt Max, ein Kamerunschaf, vor. Max hatte einen Zwillingsbruder, der nach ihm geboren wurde. Max war während der Geburt seines Bruders zur Herde gelaufen Als er wieder kam,verstieß ihn die Mutter. Wenige Minuten Trennung unmittelbar nach der Geburt hatten genügt, um die erste Beziehung unwiederbringlich zu zerreißen.

Der Schäfer wollte den Kleinen abstechen, weil er wußte, daß er keine Überlebenschance haben würde. Er erklärte, die Milch würde nur für ein Junges reichen. In der Wildnis würde das erste eben verhungern. Sophie und Paula, unsere Enkelinnen entschieden, der Kleine soll nicht sterben. Er wurde von der neuen Familie aufgenommen, bekam den Namen Max, alle 3 Stunden, die Flasche und auch Durchfall. Den Durchfall heilte Max mit Schafgarbe.

Mutter und Bruder sind längst in der Pfanne gelandet, während Max mit der neuen Familie spazieren geht, selbstverständlich auf jede Baustelle mitkommt, am Fahrrad wie ein Hund läuft und vor Freude meterhohe Luftsprünge vollführt, wenn Mapa (seine Ersatzmutter: Mama-Papa Malte) nach Hause kommt.

Sein Lieblingsfutter durfte sich Max im Raiffeisenmarkt selbst aussuchen. Die Verkäuferin war ihm dabei behilflich, indem sie ihm Kostproben reichte...

Max hatte letztlich doch Glück, aber an seinem Schicksal ist nachvollziehbar, welch ungeahnte Auswirkungen Eingriffe in den natürlichen Geburtsvorgang haben

Vor 2000 Jahren wurde ein Mann geboren, der

den göttlichen Auftrag hatte, den Gedanken der Liebe in die Welt zu bringen. Er wurde in einem Stall zur Welt gebracht...

Tosender Beifall brach los. Schlaglichtartig hatten die Kongreßteilnehmer begriffen, welch großartiger Denkansatz ihnen eben dargeboten wurde: Bereits vor

2000 Jahren störten vermutlich die üblichen Geburtsrituale die Geburt von Kindern. Die Bedürfnisse der gebärenden Maria nach Geborgenheit und Wärme wurden zwischen Kuh und Schaf und Esel besser erfüllt, als in der Zivilisation. Unter Josephs zurückhaltender Fürsorge, in der Wärme des Stalls konnte das Wunder des Lebens geschehen, das wir alle Jahre wieder, mitten im Winter, feiern.

Die Bedürfnisse der gebärenden Frau entdecken und befriedigen helfen, ist also jedesmal ein Stück gelebte und gestaltete Weihnachtsgeschichte, ein Stück Friedens-und Schöpfungsbewahrung, so habe ich den Vortrag von Dr. Odent begriffen. Wir Konferenzteilnehmer waren sehr beeindruckt.

Wahrscheinlich beginnt die Suche nach neuen, zukunftsfähigen Überlebensstrategien, die getragen sind vom Gedanken der Liebe zu allem Lebendigen, der Lebensbewahrung und der Minderung von Leid, mit der natürlichen Geburt.

Die alten auf Aggression und Vernichtung von Leben gründenden Strategien waren vermutlich schon damals vor 2000 Jahren überholt.

Im 21. Jahrhundert sollten wir die Botschaft endlich begreifen, wenn wir überleben wollen.

Michel Odent veränderte maßgeblich die Geburtshilfe und ist führend auf dem Gebiet der Gesundheitsforschung. Er leitete 24 Jahre die Geburtshilfe-/Gynäkologieabteilung eines Krankenhauses. Er entwickelte in den 1960ern und 1970ern im Pithivier-Krankenhaus in Frankreich als Pionier die ersten Geburtszimmer und die ersten Gebärpools. Er gründete das Primal Health Research Center in London (UK), das die Langzeitauswirkungen der Primärperiode hinsichtlich Gesundheit, Sozialisierung, Aggressionspotential und Liebesfähigkeit erforscht und auch interkulturellen Vergleichen Rechnung trägt. Er ist Autor von ca 50 wissenschaftlichen Publikationen, 11 Büchern in

21 Sprachen und einer Internetdatenbank

aus der Ankündigung von ETHNOMED e.V.

 

 

Was will ETHNOMED ?

ETHNOMED - Institut für Ethnomedizin e.V. arbeitet gemeinnützig anerkannt und wissenschaftlich zur Förderung der Wissenschaft, Forschung und Bildung, des öffentlichen Gesundheitswesens und der Weltgesundheit.

Ziel ist es neue Wege für eine ganzheitliche Gesundheit und Heilung zu finden, sowohl in traditionellen Kulturen als auch in unserer modernen Gesellschaft. Schwerpunkte des Instituts sind:

* Wissenschaftliche, philosophische und spirituelle Auseinandersetzung mit ethnomedizinischen Themen.

* Selbsterfahrung archaischer Rituale und Heilverfahren durch authentische ethnische Lehrer und Heiler.

*Kommunikation, Vernetzung und Austausch von Information, Erfahrung und Kontakten.

*Entwicklung und Publikation neuer Lösungen für Heilung und Gesundheit im interkulturellem Kontext.

Durch den interdisziplinären und erfahrungsorientierten Austausch können wir sehr viel von der Weisheit alter Heilverfahren lernen und neue Ansätze für unsere modernen Therapiemethoden entwickeln.

Für die traditionellen Heiler, Schamanen und Initiativen ist durch die

Kooperation mit ETHNOMED eine Möglichkeit gegeben, sich internationales Gehör zu verschaffen und einen Weg aus der oft benachteiligten politischen Situation zu finden. Für ihre eigenen Völker ist es oft der Anstoß, sich der Wichtigkeit ihrer eigenen Tradition wieder bewußt zu werden.

 

 

Es begab sich aber zu der Zeit, daß ein Gebot vom Kaiser Augustus ausging, daß alle Welt geschätzet würde. Und diese Schätzung war die allererste, und geschah zu der Zeit, da Cyrenius Landpfleger in Syrien war. Und Jedermann ging, daß er sich schätzen ließe, ein Jeglicher in seine Stadt.

Da machte sich auch Joseph aus Galiläa, aus der Stadt Nazareth, in das jüdische Land, zur Stadt Davids, die da heißt Bethlehem, darum, daß er von dem Hause und Geschlecht Davids war, auf daß er sich schätzen ließe mit Maria, seinem vertrauten Weibe. Die war schwanger. Und als sie daselbst waren, kam die Zeit, daß sie gebären sollte. Und sie gebar ihren ersten Sohn und wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, denn sie hatten sonst keinen Raum in der Herberge. Und es waren Hirten in derselbigen Gegend auf dem Felde bei den Herden, die hüteten des Nachts ihre Herde. Und siehe, des Herrn Engel trat zu ihnen, und die Klarheit des Herrn leuchtete um sie; und sie fürchteten sich sehr. Und der Engel sprach zu ihnen: fürchtet euch nicht; siehe ich verkündige euch große Freude, die allem Volk widerfahren wird; Denn euch ist heute der Heiland geboren, welcher ist Christus der Herr in der Stadt Davids.

Aus dem Lukas-Evangelium